Darf man im Lockdown zum Fotografen?

Fotograf*innen – und andere nicht körpernahe Dienstleister – haben es aktuell nicht gerade leicht: Sie dürfen öffnen, aber niemand weiß es. Und das soll jetzt kein Lamento werden, mir geht es gut, aber hier geht es um Grundsätzliches. Wer darf was und wer weiß davon? Spurensuche …

Definieren wir zuerst „aktuell“. Aktuell heißt: Lockdown 4. In Wien Lockdown Nummer 5. Der guten Ordnung halber sage ich aber auch ein Datum dazu, weil sich die Dinge so schnell ändern. Ich spreche von der 5. COVID-19-Notmaßnahmenverordnung, ausgegeben am 21.11.2021.

Diese Verordnung regelt unter anderem, wer wofür raus darf und welche Gewerbe, bzw. Dienstleister trotz Lockdown offen haben und ihre Dienstleistungen ausüben dürfen.

Was den meisten klar ist: Handel, außer Grundbedürfnisse, haben zu, bzw. dürfen nur Click & Collect anbieten.  Was auch jedem klar ist: Körpernahe Dienstleister haben zu. Dazu zählen Friseur-Betriebe, Kosmetik- und Tattoo-Studios, etc.

Das wurde und wird in allen Medien auch so kommuniziert.

Was ist denn aber mit den nicht körpernahen Dienstleistern?
Auf, zu, auf, zu, man spürt es kaum?

Hier schließt sich der Kreis zu meiner Einleitung, denn die aktuelle Verordnung, wie gesagt mit Stand 21.11.2021, ist hier sehr eindeutig:

Persönliche – nicht körpernahe – Dienstleister dürfen arbeiten.
Und ja, man darf dafür die Wohnung auch verlassen.
Weiß nur keiner. Also haben sie es nicht so leicht.
Wenn es keiner weiß, kommt auch keiner ins Studio.

Dieser Sachverhalt wird in diversen Facebook Chats selbst unter gestandenen Berufsfotografen kontrovers diskutiert. Nicht mal die Profis wissen alle, dass sie eigentlich fotografieren dürften, daher möchte ich den aktuellen Stand der Dinge genauer erläutern. Und weil ich keiner bin, der die Materie auf die leichte Schulter nimmt und gerne mit Quellen arbeite:

Ich beziehe mich auf die Rechtsauffassung der Wirtschaftskammer Österreich, in der pro Gewerbe erläutert ist, was wer darf und wie es mit Mischbetrieben ist:
Achtung, die Liste ist etwas umständlich, weil man oft ein paar Seiten raufscrollen muss, um zu wissen, was die Spalten bedeuten. Aber ja …

https://www.wko.at/service/kriterienliste.pdf

Und wer ein bisschen googelt, wird entsprechende Presse-Berichte vom Standard, der Krone und dem ORF dazu finden, die eben dies bestätigen.

Disclaimer: es geht hier um Fotograf*innen mit Gewerbeschein und ich erläutere meinen Wissensstand zum Thema, ob B2B und B2C Fotografie erlaubt ist. Und noch ein Hinweis: Es geht um die reine Dienstleistung. Ein Studio, das zusätzlich Waren anbietet, darf diese Waren nicht in der Betriebsstätte verkaufen (nur per Click & Collect).

Und da lege ich auch schon los. Meistens beginnt die Diskussion so:

Argument 1: Man darf doch gar nicht raus im Lockdown, schon gar nicht für etwas nicht Lebensnotwendiges.

Nein, das stimmt so nicht. Es gibt etliche Gründe, die das Verlassen der Wohnung gestatten. Paragraf 3 regelt das sehr deutlich. Konkret §3, Absatz 8. Hier wird klar, dass das Verlassen der Wohnung gestattet ist,

„zum Zweck des zulässigen Betretens von Kundenbereichen von Betriebsstätten gemäß den §§ 7, 9 und 10, zum Zweck des Betretens bestimmter Orte gemäß den §§ 11 und 13, von Alten- und Pflegeheimen sowie stationären Wohneinrichtungen der Behindertenhilfe gemäß § 12 sowie Einrichtungen gemäß § 18 Abs. 1 Z 1 und 2 und Abs. 2 […]“

Interessant an dieser Tirade an Paragraphen ist §7, der eben jene Kundenbereiche regelt, auf die §3, Absatz 8 verweist. Die anderen erwähnten §§ sind in dem Fall für andere Gewerbe gedacht und hier nicht wichtig (Außer 18)

Argument 2: die Fotografin, der Fotograf darf doch gar nicht aufsperren.

Doch. Darf sie. Und er natürlich auch. Das steht in §7.

Dieser regelt zunächst konkret, wer zusperren muss. Unter Absatz 2, Ziffer zwei steht zum Beispiel, dass körpernahe Dienstleister zusperren müssen. Und Freizeit und Kultur und Handel, zunächst mal grundsätzlich Handel, das wird später aber noch genauer definiert.

Das Betreten und Befahren des Kundenbereichs von

  1. Betriebsstätten des Handels zum Zweck des Erwerbs von Waren,
    2. Dienstleistungsunternehmen zur Inanspruchnahme von körpernahen Dienstleistungen,
    3. Freizeiteinrichtungen zur Inanspruchnahme von Dienstleistungen der Freizeiteinrichtungen oder
    4. Kultureinrichtungen zur Inanspruchnahme von Dienstleistungen der Kultureinrichtungen
    ist untersagt.

Untersagt! Total! Ja, eh, aber:

Fotografen sind keine körpernahen Dienstleister und müssen daher nach diesem § nicht zusperren. Au contraire: §7, Absatz 2 regelt nämlich etwas später sogar sehr konkret, unter welchen Umständen das Betreten von Betriebsstätten nicht körpernaher Dienstleister möglich ist:

Zitat: „(2) Kunden dürfen Kundenbereiche von Betriebsstätten zum Zweck der Inanspruchnahme nicht körpernaher Dienstleistungen nur betreten, wenn sie über einen 2G-Nachweis verfügen.“

Es wird also ganz konkret beschrieben, dass und wie man ins Fotostudio oder zum Installateur darf: Mit 2G.

Argument 3: Aber die Maske! Aber die Maske!

Richtig ist: Es sind in öffentlichen Räumen Masken zu tragen. Das steht kurz, knapp und sehr deutlich in §4. Da gäbe es eigentlich nix zu deuteln daran, wenn – wir sind in Österreich – es da nicht noch §18 gäbe, der – wie unerwartet – bestimmte Ausnahmen der gesamten Verordnung vorsieht.

§18, Ziffer 4, Absatz 5 sagt, dass die Pflicht zum Tragen einer Maske nicht gilt, „wenn dies zur Erbringung einer körpernahen Dienstleistung notwendig ist oder die Erbringung einer Dienstleistung dadurch verunmöglicht wird.“

Warum da Stroh herumliegt, erklärt die Verordnung nicht.

Fazit:

Jeder darf ins Fotostudio.Das Fotostudio darf offen haben. Wer ins Fotostudio geht braucht 2G und eine FFP2 Maske. Mitarbeiter im Fotostudio brauchen eine FFP2 Maske (und 2G, bzw. unter bestimmtem Umständen 3G). Die Person VOR der Kamera darf die Maske für die Dauer des Shootings abnehmen. Verkauft darf im Studio aber nichts werden. Also Filme oder so.

Ja, es ist ein wenig kafkaesk.

Ich spreche hier NUR von Dienstleistungen – und ohne Jus studiert zu haben. Und natürlich ohne Gewährleistung. Aber so steht es in der Verordnung geschrieben und so ist die Rechtsauffassung der WKO, so war es gelebte Realität in den letzten Lockdowns.

Sollte ich mich irren, irrt sich wohl auch die WKO. Aber trotzdem: Feedback jederzeit willkommen.

Und der guten Ordnung halber: Wer zu mir kommt muss definitiv einen 2G Nachweis herzeigen, den ich auch kontrolliere. Im Gegenzug bin ich selbstverständlich bereit, auch meinen zu zeigen. Maske außerhalb der Shootingzeit setze ich bei beiden voraus. Während des Shootings trage nur ich eine. Wäre sonst auch etwas blöd.

Stay Safe!