Leer

Spaziergänge durch Wien. Die kann man so oder so gestalten.
Sightseeing, schöne Plätze, portraitierte Geschichte. Kinnlade runter, alles wunderbar.
Oder man schaut ein wenig ins Abseits.

Manche der Läden sind wohl wieder in Benutzung. Einer davon zum Beispiel, das weiß ich, als Bestattungsinstitut. Fast schon wieder lustig, aber so ist Wien. Man sieht hier auch in solchen Fassaden das Schöne. Ich zumindest, aber ich glaube, damit bin ich nicht alleine.

Kein Sightseeing, nicht so schöne Plätze, portraitierte Gegenwart. Die Kinnlade bleibt trotzdem unten, denn eigentlich erzählen diese leeren Fassaden, diese geschlossenen Geschäfte, eine nicht minder interessante Geschichte. Zumindest oberflächlich kann man sie erahnen, Geschichtsschreiber reißen sich wohl eher nicht so um sie. Als einzelnes Teil vielleicht tragisch, in der Summe möglicherweise auch. Zusammengefasst taugt es dann aber eher als Schlagzeile zum Thema Leerstand im Erdgeschoss denn als glorreiche österreichische Geschichte. Nicht so reißerisch.

Subsummiert bleibt zu sagen: Ich finde solche Fassaden deutlich interessanter als das achttausenddreihundertvierundsiebzigste Foto der Oper von hinten, von der Terrasse der Albertina aus fotografiert. Ja, eins der vielen Fotos ist auch von mir, aber die im Raum stehende, eigentlich unbekannte Geschichte der leeren oder versperrten Geschäfte … lässt die Phantasie doch deutlich weiter schweifen.

Ach so, ja: Und meinem Faible für Frontalaufnahmen von Fassaden kann ich damit auch sehr elegant nachkommen.