Fluid

Titel: fluid
Model: Tascha
Make Up: Ebru Cplr (Instagram)
Concept: Tascha / A Downstairs Affair
Photos, Light, Retouch: A Downstairs Affair

Was ich sonst nicht mache: Meine Fotos erklären.
Sobald man Fotos erklären muss, läuft zumeist was falsch.
Das möchte ich hier trotzdem machen, weil mich dieses Shooting sehr bewegt hat. Und nicht nur mich.

Tascha und ich sind uns vor einiger Zeit auf Facebook über den Weg gelaufen, als ich nach einem Model (m/w/d) gesucht habe. m/w/d weniger aus politisch korrekten Gründen, sondern weil es mir für dieses Shooting tatsächlich egal war. Und es mir ansonsten auch egal ist, ob wer m, w, oder d ist. In solchen Kategorien versuche ich, nicht zu denken. Ich schubladisiere schon, aber eher nach „nett“ und „nicht nett“. Die eigene Geschlechterwahl ist mir dabei herzlich egal. Und auch, ob jemand LGBTQ+ ist (was aber mit der Geschlechterwahl nichts zu tun hat).

Für das Shooting hatte ich da schon ein anderes Model, aber Tascha hat den Wunsch geäußert, ihre Identitäten portraitiert zu sehen. Tascha ist gender fluid, wechselt also die Geschlechter und es gibt 3 von ihr. Heute weiß ich, dass alle drei nett sind und das ist alles, was für mich zählt. Ich will ehrlich sein: Ihre Welt, ihr Umgang mit den Identitäten und die Reaktionen darauf, war mir unbekannt. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht und nicht geahnt, wie wichtig es ihr war. Eher fand ich die Idee reizvoll, eine Person in einem Setting unterschiedlich darzustellen.

Allerdings hat es beim Shooting nicht lange gedauert, bis ich die Tragweite erkannt habe.
Besonders, als wir sie als Bo (Männlich) geschminkt haben und sie auf einmal eine andere Person war. Wie er sich gefallen hat, wie er anders aufgetreten ist. Und wie sehr er sich gesträubt hat, wieder zu Tascha zu werden. Und wie es Tascha dabei gegangen ist, nicht mehr Bo zu sein. Ich war sehr bewegt. Aber natürlich kann niemand diesen Zustand besser beschreiben, als Tascha selbst.

Darum lass ich ihre/seine Worte hier zum Abschluss einfach so stehen und bedanke mich für diese Horizonzerweiterung und diesen wertvollen Abend:

„People don’t realize how hard it can be to never be able to fully live out all the aspects of one’s personality. Most of us are born cisgender and never feel dissociated from their own body because of it’s gender. Some of us are transgender and feel dissociated from it all their life, until they make the brave choice to transition. I really hope that society will adapt someday to make this hard path easier on them.

I am in between. Born in a female body with a genderless personality, often under the impression that I would feel safer and more comfortable in a male body. Because of my upbringing I developed a female personality as well as a male one. But I seldom have the opportunity to act my male part out. Whenever I do, I totally get how trans persons feel because the male spirit gets so strong in me that it starts rejecting my body.
When I did this photo shooting yesterday, portraying all three of my identities I almost couldn’t switch back to the female personality, it just felt wrong and with my male appearance gone I literally felt robbed of a big part of my life energy. I wanted to cry. Seeing myself as a man (a gay one obviously) gave me so much joy, strength and inner peace.

And then I had to give all that up again, try to drop back into my female appearance. I never felt save in this body, patriarchy and some personal wounds made sure of that.
As a female I’m much more insecure, vulnerable and fragile. My core personality is androgynous, I call it Neo. But people mostly only see Tascha.

And the male persona is invisible as well. But he’s a big part of me and I want him to be seen.
This is Bo.„

– Tascha, über Bo –