schweigend in der Kunst

Geplant schon für 2020, verunmöglicht durch eine Pandemie. Aber auch 2021 und in Zukunft wichtig. Ich habe die Ehre, gemeinsam mit fantastischen Künstlern an einen wichtigen, furchtbaren Tag der Geschichte zu erinnern und zur begleitenden Ausstellung ein Bild beizusteuern. Das nehme ich zum Anlass, um auf diese Veranstaltung hinzuweisen und auch meinen Blogbeitrag für schweigend.art hier zu posten.

„Der 8. November 1938 markiert den Beginn der Novemberpogrome, die in der Nacht von 9. auf 10. November ihren schrecklichen Höhepunkt mit unzähligen Todesopfern, Zerstörungen und Vertreibungen fand. Besonders in Wien wurde grausam gegen die jüdische Bevölkerung vorgegangen und viele Synagogen, Geschäfte und Schulen zerstört.

Die beiden Organisatoren Adisa Czeczelich und Stefan Alexander Kamp rufen zur Teilnahme an der öffentlichen, malerischen Performance auf, um sich verbunden in der Gegenwart zu begegnen und gemeinsam für die zu gestaltende Zukunft zu erinnern. Daher werden an der Kreuzung Stumpergasse / Mittelgasse / Schmalzhofgasse auf 10 Leinwänden diese mit Farbe schweigend und malerisch zum Ausdruck gebracht.“
(Text von: schweigend.art)

Schweigend in der Kunst und durch die Kunst begegnen.

schweigend.art

7. November 2021, , 14.00 Uhr
Stumpergasse, Ecke Schmalzhofgasse
Organisation:
Adisa Czeczelich und Stefan Alexander Kamp 

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler: Sylvia Fischer, Stefan Alexander Kamp, Rolf Laven, Angela Olbrich, Silva Guenova, A Downstair Affair (Matthias Frager), Richard Bodyn, Zsuzsi Vecsei, Veronika Junger, Herwig Prammer, Brigitte Kratochwill und Adisa Czeczelich 

Kuratorin: Gabriele Baumgartner 

Meine Gedanken.
Meine Beweggründe.

„Das muss man doch mal ruhen lassen!“
„Irgendwann muss Schluss damit sein!“
„Schuldkult!“
„Ich hab‘ mit der Geschichte nichts zu tun, warum soll ich Vergangenheit bewältigen?“

Oft gehört.
Immer geärgert.

Ja. Auch ich habe nichts dazu beigetragen, dass der Faschismus in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts so skrupellos wüten konnte. So wie die meisten anderen. Helmut Kohl hat das Anfang der 80er Jahre „Die Gnade der späten Geburt“ genannt. Menschen, die nach 1930 geboren wurden, konnten nichts dafür. Wir genießen auch die Gnade, nicht betroffen gewesen zu sein.

Kann man so stehen lassen. Wir können tatsächlich nichts für die Verbrechen, die Nazi-Europa nahezu widerstandslos begehen konnte. Wir sind zu spät geboren. Wer aber möchte, dass sie sowas nie wieder passiert, kann sich nicht einfach abputzen und so tun als ob man mit dem nichts zu tun hat. Antifaschismus findet nicht mehr in Geschichtsbüchern statt. Es ist Alltags-Arbeit. Konsequente und manchmal mühsame Pflicht.

Aber es ist UNSERE verdammte Pflicht dafür zu sorgen, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Dass so etwas niemals wieder passiert. Dass so etwas niemals vergessen wird. Da gibt es keine Gnade einer späten Geburt. Ohne Erinnerung daran, was war, und ohne dauerhafte Arbeit dagegen, kannst Du Dir sicher sein, dass es wieder passiert. Dass kannst Du nicht einfach mal so ruhen lassen. Du kannst dagegen schreien, du kannst schweigend mahnen. Aber verdammt nochmal: was tun.

“Those who cannot remember the past are condemned to repeat it.”

   ­  – George Santayana

 Matthias Frager (adownstairsaffair.com)